Wulfertshausen - unsere Ortschaft

 

Die Geschichte von Wulfertshausen lässt sich ziemlich weit zurückverfolgen. Erstmalig im 12. Jahrhundert wird im historischen Atlas Bayerns und bei dem Kirchenhistoriker Steichele, Wulvericheshusen als Siedlung eines Wulferichs erwähnt. Mitte des 15. Jahrhunderts werden 23 Feuerstellen aufgeführt. 1840 zählte der Ort 135 Einwohner, und man kann annehmen, dass diese Zahl früher nicht viel niedriger war, wenngleich auch durch die Pest in den Jahren um 1500 und 1649 und die vielen Kriegswirren, unter denen das gesamte Friedberger Land zu leiden hatte, zeitweilig große Verluste unter der Bevölkerung forderten. Während der Zeit der Schwedenkriege ist besonders das Jahr 1632 zu nennen, in dem die Schweden die Kirche in Wulfertshausen niederbrannten.

Nun zur Geschichte der Kirche in Wulfertshausen selbst. Ungefähr in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde eine Kapelle zu Ehren Mariens gebaut. Dies wurde unterstützt durch den Friedberger Stadtrat, der dafür Grund und Boden gab. Später erhielt die Kirche den Titel "B. Mariae Virg. Ad Nives", non den Augsburger Wallfahrern gewöhnlich "Maria Schnee" genannt. Durch die Errichtung eines Benificums 1499 konnte ein Kaplan verpflichtet werden, in der Kirche täglich die Messe zu lesen. Doch im Laufe der Zeit erlitt die Kaplanei manchen Güterverlust und konnte sich nicht in ihrer Selbständigkeit erhalten. Ab dem Jahre 1480 hatte Wulfertshausen keinen eigenen Priester mehr, und der Gottesdienst wurde von Friedberger Geistlichen gehalten.

Wie bereits erwähnt, wurde die Kirche im Dreißigjährigen Krieg 1632 niedergebrannt. Der jetzige Turm und auch der Chor stammen vielleicht von dieser ersten Kirche. 1641 wurde die Kirche, also vor allem das Langhaus, wieder aufgebaut. Dies fällt in die zeit der ausgehenden Renaissance. Damals entstand auch der Grabstein des Pfarrers Nikolaus Aiermschmalz", der im Eingang der Kirche angebracht ist. Diese sehr eindrucksvolle Bildhauerarbeit aus Rotmarmor zählt zu den schönsten dieser Gegend; sie schließt die Entwicklung der Renaissance im Landkreis allgemein ab. Die beiden Seitenaltäre, vielleicht auch der Hauptaltar, stammen ebenfalls aus der Zeit nach 1641, weisen aber bereits Stilmerkmals des Barocks auf. Der Hauptaltar ist der Mutterschaft Mariens geweiht. Das Muttergottesbild ist eine Kopie des Hauptbildes der wundertätigen Muttergottes von Maria Maggiore in Rom. Die Figurengruppe des rechten Seitenaltars stellt die glorreiche Muttergottes dar. Auf dem Altar steht eine alte gotische Figur des Hl. Martins, die möglicherweise aus der ersten Kirche stammt. Der linke Seitenaltar ist dem Hl. Sebastian gewidmet. Dieser barocken Figur, wahrscheinlich von Ferdinand Murmann geschaffen, kommt deshalb kunstgeschichtliche Bedeutung zu, da sie damals Vorbild für Schnitzwerkstätten in Oberösterreich war.

1701 wurde die Kirche noch einmal umgebaut, wobei das Kirchenschiff seine heutige Gestalt erhielt. 1723 bildete sich eine Bruderschaft unter dem Titel der Unbefleckten Empfängnis Mariens. Diese war maßgeblich am Umbau und an der künstlerischen Ausgestaltung der Kirche beteiligt. Davon künden Medaillons am Chorbogen oberhalb der Seitenaltäre, die bei Renovierungsarbeiten 1958 entdeckt und freigelegt wurden. Das linke Medaillon stellt das Friedberger Wappen dar, das rechte die Wulfertshauser Kirche mit ihrem Erbauer und dessen Frau. In der folgenden zeit waren immer wieder verschiedene Renovierungsarbeiten notwendig, wobei die Innenrestaurierung im Jahre 1958 die umfangreichste Baumaßnahme war. Zwei Glasfenster im Nazarenerstil, wobei eines den Hl. Leonhard darstellte, das andere die Ortsheilige St. Radegundis, wurden damals entfernt. Durch diese Restaurierung, die unter der Leitung des Amtes für Denkmalpflege durchgeführt wurde, kam die gesamte Pracht der in der Kirche befindlichen Kunstwerke wieder voll zur Geltung. Doch obwohl von der Gemeinde behütet und gepflegt, wurde die Kirche, ja auch der sie umgebende Friedhof, durch die Entwicklung des Ortes in den letzten Jahren viel zu klein. Darum nun wieder zurück zur Ortsgeschichte. Lange Zeit blieb die Bevölkerungszahl von Wulfertshausen ziemlich gleich. Das Dorfleben war gekennzeichnet durch eine rein bäuerlich orientierte Wirtschafts- und Sozialstruktur. Die erste Veränderung trat nach dem Zweiten Weltkrieg ein, als ungefähr 150 Heimatvertriebene im Ort aufgenommen wurden. Viele wurden hier sesshaft und erwarben Baugrund.

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Die Jahre nach 1960 sind gekennzeichnet durch ein sprunghaftes Anwachsen der Bevölkerung und eine überaus rege Bautätigkeit. Leute aus allen Bevölkerungsschichten und Berufsgruppen zogen nach Wulfertshausen. 1979 zählte der Ort 2105 Einwohner.
Die stadtnahe Lage zu Augsburg, noch niedrige Baulandpreise, eine gute Konjunkturlage und nicht zuletzt, die landschaftliche Schönheit des Ortes ließen es zu einem wahren Bauboom kommen, so dass Wulfertshausen 1974 das größte Baugebiet im gesamten schwäbisch-bayerischen Bereich war. Während dieser Zeit änderte auch der Altort sein Gesicht. Viele ältere Bauernhäuser verschwanden und wurden durch neue Gebäude ersetzt.

Natürlich brachte dieses rasche, ja explosionsartige Wachstum eine Vielzahl kommunaler Probleme mit sich. Doch dank der Rührigkeit der Bürgermeister Philipp Bestele (1952-1966) und Johann Metzer (1966-1978) und nicht zuletzt des großen Aufbauwillens der Bürger wurden diese Probleme tatkräftig angegangen. Das Straßennetz wurde nach allen Seiten hin voll ausgebaut, eine ausreichende Ortskanalisation mit einer eigenen Kläranlage errichtet, die Trinkwasserversorgung sichergestellt. Auch musste ein neuer Friedhof im südlichen Gemeindegebiet geschaffen werden. Das neue Leichenhaus wurde 1978 eingeweiht.

Bis 1963 bildete die Gemeinde mit Haberskirch einen Schulverband, seit 1964 ist sie mit Stätzling und Derching zu einem Schulverband zusammengeschlossen. Neue Schulhäuser sind in Stätzling und Derching entstanden. Ein eigener moderner Kindergarten konnte gebaut werden, der 1977 als erster Bauabschnitt des neu zu errichtenden Pfarrzentrums eingeweiht wurde. Am 1. Mai 1978 wurde Wulfertshausen im Zuge der Gebietsreform zusammen mit den Nachbardörfern in die Stadt Friedberg eingemeindet.

Wenngleich auch die Baulandpreise bis Ende der 80er Jahre um das zehnfache stiegen (heute um das 20-fache), so wuchs die Einwohnerzahl doch ständig. Zum Jahrtausendwechsel zählte der Ort knapp 3000 Einwohner. Tendenz steigend!